Rechtliches & QM

Notfallausstattung festlegen

Eine pauschale Packliste für jede Praxis greift zu kurz. Die QM-Richtlinie stellt auf eine Notfallausstattung ab, die zum Patienten- und Leistungsspektrum der jeweiligen Einrichtung passt.

Nicht möglichst viel – sondern passend zur Praxis

Die Notfallausstattung sollte sich an den realistisch zu erwartenden Notfallsituationen orientieren. Fachrichtung, Patientenstruktur, diagnostische und therapeutische Leistungen sowie die organisatorischen Rahmenbedingungen der Praxis sind deshalb entscheidend.

01 · Grundlage

Was fordert das Qualitätsmanagement?

Die QM-Richtlinie nennt das Notfallmanagement ausdrücklich als Anwendungsbereich. Vorgehalten werden soll eine dem Patienten- und Leistungsspektrum entsprechende Notfallausstattung. Auch die KBV empfiehlt, die Ausstattung am eigenen Leistungsspektrum auszurichten.

Keine universelle QM-Packliste

Aus der QM-Richtlinie ergibt sich keine einheitliche Materialliste, die für jede Arzt- oder Zahnarztpraxis gleichermaßen gilt. Eine konkrete Ausstattung muss zur jeweiligen Einrichtung passen.

02 · Risikoanalyse

Welche Notfälle sind in Ihrer Praxis realistisch?

Ausgangspunkt sollte nicht der Katalog eines Notfallkoffers sein, sondern die Frage, welche Notfallsituationen bei den eigenen Patientinnen und Patienten sowie den angebotenen Leistungen tatsächlich auftreten können.

Patienten

Patientenstruktur

Alter, Vorerkrankungen und besondere Risikogruppen können den Bedarf beeinflussen.

Fachgebiet

Fachrichtung

Eine Hausarztpraxis, Zahnarztpraxis oder operative Praxis hat unterschiedliche typische Notfallszenarien.

Leistung

Behandlungen

Medikamentengaben, invasive Maßnahmen oder diagnostische Verfahren können spezifische Risiken mit sich bringen.

Organisation

Rahmenbedingungen

Räumliche Situation, Erreichbarkeit des Rettungsdienstes und vorhandene Qualifikation des Teams gehören in die Betrachtung.

03 · Umsetzung

Ausstattung und Training zusammen denken

Material allein schafft keine Handlungssicherheit. Das Team sollte wissen, wo die Ausstattung liegt, wie sie aufgebaut ist und wie die vorhandenen Geräte und Materialien im vorgesehenen Rahmen eingesetzt werden.

Praktischer Grundsatz

Was im Notfall benötigt wird, sollte schnell auffindbar, funktionsfähig und dem Team vertraut sein.

04 · QM

Die Entscheidung nachvollziehbar dokumentieren

Für das interne Qualitätsmanagement ist es sinnvoll festzuhalten, anhand welcher Risiken die Ausstattung festgelegt wurde, wer sie überprüft und wann Anpassungen vorgenommen werden. Änderungen des Leistungsspektrums sollten Anlass sein, die Zusammenstellung erneut zu bewerten.

Persönliche Empfehlung

Was kann in einer Notfalltasche oder einem Notfallkoffer sinnvoll sein?

Ergänzend zu den allgemeinen QM-Anforderungen habe ich aus meiner praktischen Erfahrung eine eigene Bestückungsempfehlung zusammengestellt. Sie ist bewusst keine verbindliche oder allgemeingültige Packliste. Die konkrete Ausstattung muss immer an Fachrichtung, Patientenstruktur, Leistungsspektrum, vorhandene Qualifikationen und die zu erwartenden Notfallsituationen der jeweiligen Praxis angepasst werden.

Basis & Diagnostik

  • Kleiderschere Kleiderschere Schere mit stumpfer, abgerundeter Spitze zum schnellen, sicheren Aufschneiden von Kleidung – oft mit auffälliger (z.B. orangener) Griffabdeckung.
  • Blutzuckermessgerät Blutzuckermessgerät Kleines, handliches Gerät mit Display und Teststreifen-Schacht; liefert den Blutzuckerwert nach einem Tropfen Kapillarblut.
  • Blutdruckmessgerät und Stethoskop Blutdruckmessgerät und Stethoskop Manschette mit Pumpball und Manometer zur Blutdruckmessung, kombiniert mit einem Stethoskop (Hörschläuche mit Bruststück).
  • Einmalhandschuhe in passenden Größen Einmalhandschuhe Dünne Einweghandschuhe aus Latex, Nitril oder Vinyl, in Spenderboxen nach Größe (S/M/L/XL) sortiert.
  • Verbandsmaterial und Kompressen Verbandsmaterial und Kompressen Sterile Mullkompressen, Verbandpäckchen und Fixierbinden/Pflaster zur Wundversorgung.
  • optional Pupillenleuchte Pupillenleuchte Kleine, stiftförmige LED-Leuchte zur Prüfung der Pupillenreaktion auf Licht.

Beatmung & Atemweg

  • Beatmungsbeutel mit Reservoir Beatmungsbeutel mit Reservoir Faltbarer, meist blauer Beutel mit Maske und angeschlossenem Reservoirbeutel zur manuellen Beatmung mit hoher Sauerstoffkonzentration.
  • Guedeltuben-Set Guedeltuben-Set Gebogene Kunststoff-Atemwegshilfen in verschiedenen, farblich codierten Größen zum Freihalten der Atemwege.
  • manuelle Absaugpumpe Manuelle Absaugpumpe Handbetriebene Pumpe mit Schlauch und Absaugkatheter zum Entfernen von Sekret/Erbrochenem – funktioniert ganz ohne Strom.
  • Nasenapplikator (MAD) Nasenapplikator (MAD) Kleiner Aufsatz für eine Spritze, der Medikamente als feinen Sprühnebel in die Nase abgibt (z.B. für intranasale Gabe).
  • je nach Konzept und Qualifikation supraglottische Atemwegshilfe mit notwendigem Zubehör Supraglottische Atemwegshilfe Alternative Atemwegssicherung wie Larynxmaske oder -tubus – wird ohne Sicht auf die Stimmbänder oberhalb des Kehlkopfes platziert.

Reanimation

  • Automatisierter Externer Defibrillator (AED) Automatisierter Externer Defibrillator Kompaktes Gerät im Koffer/in der Tasche mit zwei aufklebbaren Elektrodenpads; führt per Sprachansage durch Analyse und ggf. Schockabgabe.
  • geeignetes Zubehör entsprechend dem verwendeten Gerät AED-Zubehör Ersatzelektroden, Einmalrasierer und Schere, passend zum jeweiligen AED-Modell.
  • übersichtliche und schnell erreichbare Lagerung

Zugang & Verbrauchsmaterial

  • Kanülen und periphere Venenverweilkanülen Kanülen und periphere Venenverweilkanülen Verschiedene Kanülengrößen, farblich nach Durchmesser codiert, zum Legen eines venösen Zugangs.
  • Tupfer und geeignetes Hautantiseptikum Tupfer und Hautantiseptikum Sterile Tupfer und eine Sprüh- oder Tropfflasche mit Hautdesinfektionsmittel zur Vorbereitung der Einstichstelle.
  • Infusionsmaterial entsprechend dem Praxiskonzept Infusionsmaterial Infusionslösung im Kunststoffbeutel sowie passendes Infusionsbesteck (Tropfkammer und Schlauchsystem).
  • weitere Verbrauchsmaterialien passend zur vorhandenen Ausstattung
Medikamente bewusst individuell festlegen.
Die folgende Zusammenstellung ist meine persönliche und unverbindliche Empfehlung für eine mögliche Notfallmedikation in Arztpraxen. Sie stellt keine allgemeingültige oder verpflichtende Standardausstattung dar. Auswahl, Wirkstoff, Stärke, Menge, Lagerung, Indikation und Anwendung müssen ärztlich festgelegt und an Fachrichtung, Behandlungsspektrum, Patientengruppe sowie die Qualifikation der Anwender angepasst werden.

Meine Medikamenten-Empfehlung

  • Adrenalin – 1 mg / 1 ml · 4 Ampullen Kleine Glasampulle, meist mit grüner Banderole/Aufdruck „Adrenalin 1:1000"; klare Flüssigkeit. Aussehen und Verpackung sind herstellerabhängig.
  • Antihistaminikum (H1-Blocker) · 1 Ampulle Ampulle eines H1-Antihistaminikums zur Injektion; Farbcode und Beschriftung sind je nach Präparat/Hersteller unterschiedlich.
  • Atropin · 1 Ampulle Kleine Glasampulle mit der Aufschrift „Atropin", klare Flüssigkeit.
  • isotone Vollelektrolytlösung – 250 ml · 1-2 Stk. Infusionslösung Weicher Kunststoff-Infusionsbeutel (Softbag), 250 ml, meist mit klarem Inhalt.
  • Furosemid – 40 mg / 2 ml · 1 Ampulle Kleine Ampulle mit der Aufschrift „Furosemid", klare Flüssigkeit.
  • Glucose 20 % – 10 ml · 5 Ampullen Ampulle mit hochkonzentrierter, klarer Zuckerlösung, Aufschrift „Glucose 20 %".

Weitere persönliche Empfehlungen

  • Heparin – 5.000 I.E. / 0,2 ml · 1 Ampulle Kleine Fertigspritze oder Ampulle mit der Aufschrift „Heparin".
  • Glukokortikoid – 250 mg · 1 Ampulle Durchstechflasche oder Ampulle mit Pulver/Lösung; Beschriftung je nach Präparat (z.B. Prednisolon) unterschiedlich.
  • Midazolam – 5 mg / 1 ml · 1 Ampulle Kleine Ampulle mit der Aufschrift „Midazolam", klare Flüssigkeit.
  • NaCl 0,9 % – 10 ml · 2 Ampullen Kleine Ampulle mit klarer Kochsalzlösung, Aufschrift „NaCl 0,9 %".
  • Nitrospray · 1 Pumpspray Kleine Sprühflasche (Pumpspray) zur sublingualen Anwendung, Aufschrift „Glyceroltrinitrat" bzw. „Nitro".
  • Urapidil · 1 Ampulle Ampulle mit der Aufschrift „Urapidil", klare Flüssigkeit.
Ausführliche Bestückungsempfehlung als PDF
Meine vollständige Bestückungsliste für Notfalltasche und Notfallkoffer steht Ihnen zusätzlich als PDF zur Verfügung. Die Zusammenstellung ist meine persönliche und unverbindliche Empfehlung und sollte immer an Fachrichtung, Patientenstruktur, Leistungsspektrum und die individuellen Anforderungen Ihrer Praxis angepasst werden.
Der wichtigste Grundsatz

Eine kleinere, sinnvoll zusammengestellte und dem Team vertraute Notfallausstattung kann im Ernstfall hilfreicher sein als umfangreiches Material, dessen Standort oder Anwendung nicht sicher beherrscht wird. Ausstattung, Organisation und regelmäßiges praktisches Training gehören deshalb zusammen.

Notfallmanagement

Aus Vorgaben werden funktionierende Abläufe.

Unsere Notfalltrainings orientieren sich an Ihrer Einrichtung, Ihrem Team und Ihrer vorhandenen Notfallausrüstung.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und stellen keine Rechtsberatung dar. Maßgeblich sind die jeweils geltenden gesetzlichen, berufsrechtlichen und einrichtungsspezifischen Vorgaben.