Patientenstruktur
Alter, Vorerkrankungen und besondere Risikogruppen können den Bedarf beeinflussen.
Eine pauschale Packliste für jede Praxis greift zu kurz. Die QM-Richtlinie stellt auf eine Notfallausstattung ab, die zum Patienten- und Leistungsspektrum der jeweiligen Einrichtung passt.
Die Notfallausstattung sollte sich an den realistisch zu erwartenden Notfallsituationen orientieren. Fachrichtung, Patientenstruktur, diagnostische und therapeutische Leistungen sowie die organisatorischen Rahmenbedingungen der Praxis sind deshalb entscheidend.
Die QM-Richtlinie nennt das Notfallmanagement ausdrücklich als Anwendungsbereich. Vorgehalten werden soll eine dem Patienten- und Leistungsspektrum entsprechende Notfallausstattung. Auch die KBV empfiehlt, die Ausstattung am eigenen Leistungsspektrum auszurichten.
Aus der QM-Richtlinie ergibt sich keine einheitliche Materialliste, die für jede Arzt- oder Zahnarztpraxis gleichermaßen gilt. Eine konkrete Ausstattung muss zur jeweiligen Einrichtung passen.
Ausgangspunkt sollte nicht der Katalog eines Notfallkoffers sein, sondern die Frage, welche Notfallsituationen bei den eigenen Patientinnen und Patienten sowie den angebotenen Leistungen tatsächlich auftreten können.
Alter, Vorerkrankungen und besondere Risikogruppen können den Bedarf beeinflussen.
Eine Hausarztpraxis, Zahnarztpraxis oder operative Praxis hat unterschiedliche typische Notfallszenarien.
Medikamentengaben, invasive Maßnahmen oder diagnostische Verfahren können spezifische Risiken mit sich bringen.
Räumliche Situation, Erreichbarkeit des Rettungsdienstes und vorhandene Qualifikation des Teams gehören in die Betrachtung.
Material allein schafft keine Handlungssicherheit. Das Team sollte wissen, wo die Ausstattung liegt, wie sie aufgebaut ist und wie die vorhandenen Geräte und Materialien im vorgesehenen Rahmen eingesetzt werden.
Was im Notfall benötigt wird, sollte schnell auffindbar, funktionsfähig und dem Team vertraut sein.
Für das interne Qualitätsmanagement ist es sinnvoll festzuhalten, anhand welcher Risiken die Ausstattung festgelegt wurde, wer sie überprüft und wann Anpassungen vorgenommen werden. Änderungen des Leistungsspektrums sollten Anlass sein, die Zusammenstellung erneut zu bewerten.
Ergänzend zu den allgemeinen QM-Anforderungen habe ich aus meiner praktischen Erfahrung eine eigene Bestückungsempfehlung zusammengestellt. Sie ist bewusst keine verbindliche oder allgemeingültige Packliste. Die konkrete Ausstattung muss immer an Fachrichtung, Patientenstruktur, Leistungsspektrum, vorhandene Qualifikationen und die zu erwartenden Notfallsituationen der jeweiligen Praxis angepasst werden.
Schere mit stumpfer, abgerundeter Spitze zum schnellen, sicheren Aufschneiden von Kleidung – oft mit auffälliger (z.B. orangener) Griffabdeckung.
Kleines, handliches Gerät mit Display und Teststreifen-Schacht; liefert den Blutzuckerwert nach einem Tropfen Kapillarblut.
Manschette mit Pumpball und Manometer zur Blutdruckmessung, kombiniert mit einem Stethoskop (Hörschläuche mit Bruststück).
Dünne Einweghandschuhe aus Latex, Nitril oder Vinyl, in Spenderboxen nach Größe (S/M/L/XL) sortiert.
Sterile Mullkompressen, Verbandpäckchen und Fixierbinden/Pflaster zur Wundversorgung.
Kleine, stiftförmige LED-Leuchte zur Prüfung der Pupillenreaktion auf Licht.
Faltbarer, meist blauer Beutel mit Maske und angeschlossenem Reservoirbeutel zur manuellen Beatmung mit hoher Sauerstoffkonzentration.
Gebogene Kunststoff-Atemwegshilfen in verschiedenen, farblich codierten Größen zum Freihalten der Atemwege.
Handbetriebene Pumpe mit Schlauch und Absaugkatheter zum Entfernen von Sekret/Erbrochenem – funktioniert ganz ohne Strom.
Kleiner Aufsatz für eine Spritze, der Medikamente als feinen Sprühnebel in die Nase abgibt (z.B. für intranasale Gabe).
Alternative Atemwegssicherung wie Larynxmaske oder -tubus – wird ohne Sicht auf die Stimmbänder oberhalb des Kehlkopfes platziert.
Kompaktes Gerät im Koffer/in der Tasche mit zwei aufklebbaren Elektrodenpads; führt per Sprachansage durch Analyse und ggf. Schockabgabe.
Ersatzelektroden, Einmalrasierer und Schere, passend zum jeweiligen AED-Modell.
Verschiedene Kanülengrößen, farblich nach Durchmesser codiert, zum Legen eines venösen Zugangs.
Sterile Tupfer und eine Sprüh- oder Tropfflasche mit Hautdesinfektionsmittel zur Vorbereitung der Einstichstelle.
Infusionslösung im Kunststoffbeutel sowie passendes Infusionsbesteck (Tropfkammer und Schlauchsystem).
Eine kleinere, sinnvoll zusammengestellte und dem Team vertraute Notfallausstattung kann im Ernstfall hilfreicher sein als umfangreiches Material, dessen Standort oder Anwendung nicht sicher beherrscht wird. Ausstattung, Organisation und regelmäßiges praktisches Training gehören deshalb zusammen.
Grundlage sind insbesondere die QM-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses und die Hinweise der KBV zum Notfallmanagement.
Unsere Notfalltrainings orientieren sich an Ihrer Einrichtung, Ihrem Team und Ihrer vorhandenen Notfallausrüstung.
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und stellen keine Rechtsberatung dar. Maßgeblich sind die jeweils geltenden gesetzlichen, berufsrechtlichen und einrichtungsspezifischen Vorgaben.